Die meisten haben die Abkürzung schon irgendwo gelesen. Wenige wissen, was wirklich dahintersteckt. WCAG steht für Web Content Accessibility Guidelines – eine Sammlung von Richtlinien, die beschreibt, wie digitale Inhalte für alle Menschen zugänglich gestaltet werden können. Nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern für alle.
Dieser Artikel erklärt die Grundstruktur der WCAG, was die vier Prinzipien und drei Stufen bedeuten – und was sich mit WCAG 2.2 konkret geändert hat.
Das World Wide Web Consortium, kurz W3C, ist die internationale Organisation hinter den WCAG. Die Web Accessibility Initiative (WAI) – ein Bereich des W3C – erarbeitet die Richtlinien. Die aktuelle Hauptversion ist WCAG 2.1 aus dem Jahr 2018. Im Oktober 2023 erschien WCAG 2.2 mit wichtigen Ergänzungen, vor allem für mobile Nutzung und kognitive Barrierefreiheit.
Ein wichtiges Detail: WCAG ist kein nationales Gesetz, sondern ein internationaler technischer Standard. Viele Gesetze – darunter das deutsche BFSG und die europäische EN 301 549 – verweisen direkt auf WCAG 2.1, Stufe AA als Mindestanforderung. Das macht die Richtlinien de facto bindend für viele Unternehmen.
Inhalte müssen so dargeboten werden, dass sie wahrgenommen werden können – unabhängig von Sinnen oder Hilfsmitteln. Dazu gehören Alt-Texte, Untertitel und ausreichende Kontraste.
Alle Funktionen müssen ohne Maus erreichbar sein – per Tastatur, Spracheingabe oder anderen Eingabemethoden. Kein Element darf in einer Fokusfalle stecken.
Inhalte und Bedienoberflächen müssen verständlich sein. Klare Sprache, vorhersehbares Verhalten und hilfreiche Fehlermeldungen sind zentrale Anforderungen.
Inhalte müssen robust genug sein, um von einer Vielzahl von Technologien – heute und in Zukunft – verlässlich interpretiert werden zu können.
Grundlegende Anforderungen, die alle Websites erfüllen sollten. Ohne Stufe A gibt es für manche Nutzenden schlicht keine Möglichkeit, Inhalte zu erreichen.
Das Ziel für die meisten Websites – und gesetzliche Pflicht in vielen Kontexten. Hier sind die wichtigsten und am häufigsten verletzten Kriterien versammelt.
Höchste Konformitätsstufe. Nicht für alle Inhaltstypen erreichbar, aber sinnvoll für spezialisierte Angebote wie Behördenportale oder medizinische Plattformen.
Mit WCAG 2.2 kamen acht neue Erfolgskriterien hinzu. Drei davon sind besonders praxisrelevant:
Fokusindikatoren (2.4.11 / 2.4.12). Sichtbare Fokusmarkierungen sind nun Teil der AA-Anforderungen. Wer mit der Tastatur navigiert, muss immer eindeutig sehen, wo sich der Fokus befindet. Der Fokus muss eine Mindestgröße haben und ausreichend kontrastieren.
Redundante Authentifizierung (3.3.8). Nutzer dürfen nicht gezwungen werden, sich Informationen zu merken oder abzutippen, während sie gleichzeitig etwas anderes eingeben. Ein CAPTCHA, das Text abschreiben lässt, wäre ein Verstoß.
Drag & Drop braucht Alternativen (2.5.7). Wer keine Maus präzise steuern kann, muss alle Drag-and-Drop-Funktionen auch auf einem anderen Weg nutzen können – zum Beispiel über Schaltflächen.