PDFs sind eines der am häufigsten übersehenen Themen in der digitalen Barrierefreiheit. Dabei sind sie überall: Formulare, Broschüren, Berichte, Verträge. Und die meisten sind für Screenreader-Nutzende schwer bis gar nicht lesbar – nicht weil PDFs grundsätzlich problematisch wären, sondern weil sie meist ohne Blick auf Barrierefreiheit erstellt werden.
Die gute Nachricht: Wer PDFs aus Word oder InDesign erstellt, kann mit relativ wenig Aufwand barrierefrei exportieren. Und wer bestehende PDFs prüfen will, bekommt mit dem freien Tool PAC 2024 ein gutes Werkzeug.
Ein barrierefreies PDF ist ein getaggtes PDF. Tags sind unsichtbare Strukturinformationen, die beschreiben, was jedes Element ist: Überschrift, Absatz, Liste, Bild, Tabelle, Formularfeld. Ohne Tags ist ein PDF für Screenreader nur eine Sammlung unstrukturierter Zeichen – oder gar nichts, wenn es ein Scan ohne Texterkennung ist.
Tags ermöglichen außerdem die korrekte Lesereihenfolge. Was für Sehende visuell klar geordnet ist – zwei Spalten, eine Seitenleiste – kann ohne Tags in völlig falscher Reihenfolge vorgelesen werden.
Word selbst ist gut darin, strukturierte Dokumente zu erzeugen – wenn man die richtigen Features nutzt. Die wichtigsten Voraussetzungen für einen barrierefreien PDF-Export aus Word:
Formatvorlagen statt manuellem Formatieren: Überschriften als "Überschrift 1", "Überschrift 2" etc. formatieren, nicht durch vergrößerte fette Schrift. Nur so entstehen Tags im PDF.
Alt-Texte für alle Bilder: Rechtsklick auf das Bild → "Alt-Text bearbeiten". Dekorative Bilder als "dekorativ" markieren.
Tabellen mit Kopfzeile: Beim Erstellen der Tabelle unter "Tabelleneigenschaften" die Option "Erste Zeile als Kopfzeile" aktivieren.
Export: "PDF/A" wählen: Beim Export über Datei → Speichern unter → PDF die Schaltfläche "Optionen" öffnen und "ISO 19005-1-kompatibel (PDF/A)" aktivieren. PDF/A ist das Langzeit-Archivierungsformat und erzwingt Tags.
InDesign bietet feine Kontrolle über Barrierefreiheit, erfordert aber mehr manuelle Arbeit als Word.
Absatzformate und Rollen: Absatzformaten können im Fenster "Artikel" und über "PDF-Tags" Rollen zugewiesen werden. Überschriften-Formate müssen als H1, H2 etc. gekennzeichnet sein.
Lesereihenfolge im Artikel-Fenster: Das Artikel-Fenster (Fenster → Artikel) zeigt die Reihenfolge, in der Inhalte exportiert werden. Hier muss die logische Lesereihenfolge eingestellt werden – nicht die visuelle.
Alt-Texte: Über Objekt → Objektexportoptionen → Alt-Text für jedes Bild hinterlegen.
Export: Tags und Hyperlinks einschließen: Im PDF-Export-Dialog die Optionen "Tags erstellen" und "Hyperlinks einschließen" aktivieren.
Wenn die Quelldatei nicht mehr verfügbar ist oder der Export nicht alle Probleme löst, kann Adobe Acrobat für Nachbearbeitungen genutzt werden. Wichtige Funktionen:
Barrierefreiheits-Check: Extras → Barrierefreiheit → Vollständige Prüfung. Zeigt Probleme mit Erklärungen und Behebungsvorschlägen.
Tags-Bereich: Ansicht → Ein-/Ausgabehilfe → Tags-Bereich. Hier können Tag-Strukturen manuell angepasst werden.
Lesereihenfolge: Extras → Barrierefreiheit → Lesereihenfolge. Ermöglicht, Lesereihenfolge per Drag-and-Drop anzupassen.