Millionen Menschen können heute nicht verlässlich herausfinden, ob sie ein Ziel erreichen, hineinkommen und sich dort selbstständig bewegen können. Es gibt zwar einzelne Informationen, Datenbanken, Karten und Bewertungen. Doch die Angaben sind oft unvollständig, veraltet oder über zahlreiche Stellen verteilt.
Eine neue Unternehmung will das ändern: InkluCity entwickelt eine digitale Infrastruktur für Barrierefreiheit. Sie führt Informationen über Orte, Wege und Gebäude zusammen, prüft sie und macht sie für den persönlichen Bedarf nutzbar.
Wer selbst keine Einschränkung erlebt, denkt bei Barrierefreiheit häufig zuerst an eine Rampe oder einen Aufzug. Doch ein barrierefreies WC hilft wenig, wenn der Zugang nicht erreichbar ist. Ein Aufzug nützt nichts, wenn der Weg dorthin unpassierbar ist. Eine visuelle Anzeige hilft keinem blinden Menschen. Und eine ausschließlich akustische Durchsage erreicht gehörlose Menschen nicht.
Teilhabe bedeutet, dass Menschen vorher wissen, ob sie Wege, Routen und Gebäude tatsächlich nutzen können. Doch auch heute noch müssen diese Informationen mühsam zusammengesucht werden. Und wenn auf den Weg zum Ziel eine Angabe nicht stimmt? Für einen Menschen mit Behinderung bedeutet das, dass er einen Weg umsonst zurücklegt, einen Termin verpasst oder einen Besuch abbrechen muss.

Wichtig ist: Barrierefreiheit bedeutet nicht für alle Menschen dasselbe. Ein Rollstuhlfahrer muss unter anderem wissen, ob Wege stufenfrei sind, Aufzüge funktionieren und Türen breit genug sind. Eine blinde Person benötigt deutliche Hinweise auf Leitsysteme, akustische Signale, Hindernisse und mögliche Unterstützung. Ein gehörloser Mensch braucht visuelle Orientierung, verständliche Beschilderungen oder Hinweise auf schriftbasierte Kommunikation und Gebärdensprachkompetenz.
Ältere Menschen profitieren von kurzen Wegen, Sitzmöglichkeiten und gut lesbaren Hinweisen. Pflege- und Assistenzkräfte müssen Wege für andere Menschen zuverlässig vorbereiten können. Familien mit Kinderwagen möchten wissen, ob ein Aufzug funktioniert, ein Eingang stufenlos erreichbar oder ein Spielplatz barrierefrei gestaltet ist. Übrigens: Auch eine vorübergehende Verletzung kann von einem Tag auf den anderen verändern, welche Wege und Orte erreichbar sind. Das sind viele Ansprüche. Und jeder ist berechtigt!
InkluCity wird Angaben von Kommunen und Unternehmen, öffentlich verfügbare Daten, technische Schnittstellen, KI-gestützte Auswertungen und Rückmeldungen aus der Community miteinander verbinden. Die Informationen werden geprüft, verständlich geordnet und passend zum persönlichen Bedarf ausgegeben.
Nutzerinnen und Nutzer müssen erkennen können, wie aktuell und belastbar eine Angabe ist. Viele Informationen allein schaffen noch kein Vertrauen. Entscheidend sind also nachvollziehbare Quellen, regelmäßige Aktualisierungen und eine mehrstufige Prüfung.
InkluCity wird keine Anwendung entwickeln, deren Nutzerinnen und Nutzer sich mühsam an technische Vorgaben anpassen müssen. Die Infrastruktur wird auf unterschiedliche Arten bedienbar sein: mit Screenreader und Sprachausgabe, per Sprachsteuerung, über klare Texte und Symbole, mit starken Kontrasten, großen Bedienelementen und verständlicher Sprache.
Vor allem ist InkluCity mehr als eine App. Das Ergebnis wird eine digitale Weg- und Zielführung sein, die Menschen verlässliche Informationen für ihre eigenen Entscheidungen gibt und ihnen selbstbestimmte Teilhabe erleichtert.
Noch ist InkluCity im Entwicklungs-Stadium. Auf der barrierefreien Homepage inklucity.de wird der den Stand der Arbeiten veröffentlicht – und nach Unterstützern gesucht.